Wenn ganz plötzlich das Geld wertlos ist

Neu Delhi. Unterschiedlicher könnten die Bewertungen kaum sein: Für die einen ist Indiens Währungsreform ein genialer Streich, der über Nacht den Sumpf der Schattenwirtschaft trockenlegt. Die Gegner beklagen, die plötzliche Entwertung der Geldscheine verbreite Leid und Elend, gefährde den wirtschaftlichen Fortschritt, sei – kurzum – ein Skandal. Politische Kontroversen gehören zur Grundausstattung der indischen Demokratie. Die Inder gelten – wenn es um Politik geht – als argumentative Menschen; Streit und Zwist sind Wahrzeichen der politischen Kultur in der größten Demokratie der Welt.

Dennoch: Die anhaltende Aufregung, die Ministerpräsident Narendra Modi mit der radikalen Währungstransformation ausgelöst hat, ist außergewöhnlich. Das hat einen guten Grund: Die völlig überraschende Entwertung der 500 und 1.000 Rupien Scheine ist ein drastischer Eingriff in das Leben eines jeden indischen Haushaltes. Modi kündigte die Maßnahme am Abend des 8. November im Fernsehen an. Er versprach, die entwerteten Scheine – immerhin 85 Prozent der umlaufenden Banknoten – könnten an den Bankschaltern gegen neues Geld umgetauscht werden. Schon am nächsten Tag zeigte sich: Dies war ein leeres Versprechen. Die Banken waren völlig unvorbereitet – und entsprechend überfordert. Es konnte auch gar nicht anders sein. Modi hatte den Währungscoup in größter Geheimhaltunng vorbereitet. 

Quelle: Tichys Einblick
Wenn ganz plötzlich das Geld wertlos ist

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